SOMEDAY JACOB

Do, 15.02.2018
, Kukuun

Auf ihrem letzten Werk haben Someday Jacob die goldene Sonne Kaliforniens uber der norddeutschen Tiefebene aufgehen lassen: „It Might Take A While“ trug an vielen Stellen die DNA des 70s-Folkrock in sich und verwob liebevoll mehrere Dekaden Popmusik zu einem ungewohnlichen Werk. Uberall Melodien! Man wusste gar nicht, wohin man zuerst horen sollte.

Die Arbeit am Lied: Darum geht es bei dem Quartett um Sanger, Gitarrist und Songschreiber Jorn Schluter. Nicht um schnelle Schlusselreize, nicht um Selbstinszenierung – und ganz gewiss nicht darum, besser als die anderen zu sein. Musik ist kein Wettbewerb, sondern ein Gesprach. Ist sie es nicht, fuhlt sie sich leer an. Jeder weiß etwas Gutes: „Everybody Knows Something Good“.

Fur das eben so betitelte neue Werk – es ist insgesamt das dritte – gehen Someday Jacob in die Stadt. Evozierten die Lieder des Vorgangers Walder und Schluchten, wird der Ton nun etwas konkreter, direkter – „Everybody Knows Something Good“ ist eher ein Haus als eine Wiese. „Die Lieder von der Platte kamen uns wie ein Versteck vor, vielleicht eine Hohle oder ein Baumhaus“, erklart Schluter, „die neuen Songs hatten dagegen etwas Unmittelbares, Offenes und Klares. Wir wollten einen Sound, der das ausdruckt.“

Den richtigen Mann dafur fanden Someday Jacob, wie schon zuletzt, in Nashville: Der Grammy®-dekorierte Rick-Rubin- Sidekick Ryan Hewitt (Red Hot Chilli Peppers, Johnny Cash, Avett Brothers, Angus & Julia Stone) setzte die Aufnahmen des Quartetts in Szene. Das Master stammt wieder von Richard Dodd (Tom Petty, George Harrison).

Dass die Zusammenarbeit zwischen den Kontinenten ganz wundervoll funktioniert, hort man zum Beispiel bei „Slow Down“: Das Lied ist ganz und gar Someday Jacob, doch es mischen sich Assoziationen des Late- Seventies-L.A.- Sounds hinein, wie z. B. Lenny Waronker ihn fur Rickie Lee Jones oder die Doobie Brothers erschuf. „Hands Of Love“ dagegen fuhrt geradewegs in das von Musikern wie Jason Isbell bewohnte Amer- icana-Nashville der Gegenwart. Und das bittersuße „Your Medicine“ evoziert den sanften Songwriter-Pop von Josh Rouse bzw. Fleetwood Mac. Und wieder sind uberall Melodien! Someday Jacob haben Lieder aufgenommen, deren sanfte Euphorie glucklich macht und deren feine, unpratentiose Sensibilitat bewegend ist.

Dabei waren Someday Jacob nicht sie selbst, wenn nicht auch das Bruchige, Kantige in ihrer Musik steckte. Hohepunkte sind das mit dunklen Streichern illuminierte „Man without a Cause“ oder das etwa an Rodriguez oder den fruhen Jose Gonzales erinnernde „Sorrow and a Song“.

Apropos Sorrow. Ein Großteil dieses Albums nahm seinen Anfang im Marz 2016, als Schluter bei einem medizinischen Notfall in New York City fast ums Leben kam (es ist aber alles wieder gut). Bremse treten, Luft holen, nachdenken: Die Zwangspause in einem New Yorker Krankenhaus fuhrte zu der unausweichlichen Bestandsaufnahme, was einem im Leben wichtig ist, und wurde zur Quelle fur einen Großteil der neuen Songs sowie den Namen des Albums.

„Ich schatze, in dem Titel steckt fur mich etwas Trostliches“, sagt Schluter, „nicht soviel rennen, gut sein lassen, lieber stillhalten, das versuche ich mir wohl klarzumachen.“ Und so gibt es auf „Everybody …“ eine ganze Reihe von NYC- Verweisen, beim irgendwie an die Ostkuste erinnernden Artwork sowie beim Opener „Leaving New York“, aber auch in der Momen- taufnahme „Your Medicine“ oder dem New-York-Suchspiel „Slow Down“ – wer alle Clous lost (Antworten bitte an info@ somedayjacob.de), bekommt von der Band bei Gelegenheit ein Bier ausgegeben.

Bei alldem durchzieht naturlich der musikalische Charakter von Someday Jacob auch das neue Repertoire: Man spurt die ungemeine Entspannung in dieser Musik, die entschleunigt und tief durchatmen lasst und bei allem Schmerzlichen und Unauflosbaren sagt: Hinter den Bergen ist Ruhe.

Someday Jacob sind: Jorn Schluter (Voc, Git), Uli Kringler (Git, Voc), Martin Denzin (Drums, Voc) und Manuel Steinhoff (Bass, Voc)

Auf ihrem letzten Werk haben Someday Jacob die goldene Sonne Kaliforniens uber der norddeutschen Tiefebene aufgehen lassen: „It Might Take A While“ trug an vielen Stellen die DNA des 70s-Folkrock in sich und verwob liebevoll mehrere Dekaden Popmusik zu einem ungewohnlichen Werk. Uberall Melodien! Man wusste gar nicht, wohin man zuerst horen sollte. Die Arbeit…